Zum Hauptinhalt springen
Analysen·WM 2026·7 Min. Lesezeit

WM-Orakel 2026: 67 % Trefferquote - und ein Fehltipp im Finale

Die WM 2026 ist Geschichte: Spanien ist Weltmeister, nach einem 1:0 gegen Argentinien im Endspiel. Damit sind alle 104 Spiele des größten Turniers aller Zeiten gespielt - und ausgewertet. Zeit für die schonungslose Bilanz: Wie hat sich unser kostenloses WM-Orakel durch sieben Wochen Weltklasse-Fußball getippt, wo lag es goldrichtig und wo krachend daneben?

Ausgewertete Spiele
104
das komplette Turnier
Richtige Tendenz
67,3 %
70 von 104 Spielen
Exakte Endstände
17
16,3 % aller Tipps
Viertelfinale
4/4
davon 2× exakt

Alle Tipps wurden vor Anpfiff veröffentlicht und sind im WM-Orakel Spiel für Spiel dokumentiert.

67 Prozent - warum die WM leichter zu tippen war als die Bundesliga

70 richtige Tendenzen aus 104 Spielen: Mit 67,3 % liegt das WM-Orakel deutlich über den 53,9 %, die unser Bundesliga-Modell in der abgelaufenen Saison erreicht hat. Das ist kein Zufall und auch kein Grund zur Selbstüberschätzung - es liegt an der Struktur des Turniers. Bei einer WM mit 48 Teams treffen in Gruppenphase und Sechzehntelfinale regelmäßig Weltklasse-Teams auf krasse Außenseiter. Solche Paarungen sind für ein Modell, das ELO-Stärke, FIFA-Ranking und Kadermarktwert verrechnet, dankbares Terrain. In der Bundesliga liegen die Teams enger beieinander - dort ist jede Vorhersage schwerer verdient.

Trefferquote nach Turnierphase

PhaseRichtige TendenzQuoteExakt
Gruppenphase · 1. Spieltag12/2450,0 %2
Gruppenphase · 2. Spieltag17/2470,8 %4
Gruppenphase · 3. Spieltag16/2466,7 %3
Sechzehntelfinale14/1687,5 %4
Achtelfinale6/875,0 %1
Viertelfinale4/4100 %2
Halbfinale1/250,0 %1
Spiel um Platz 30/10 %0
Finale0/10 %0

Auffällig: Der 1. Gruppenspieltag war mit 50 % der schwächste Abschnitt - zum Turnierauftakt fehlen schlicht aktuelle Daten, viele Teams hatten seit Monaten kein Pflichtspiel bestritten. Ab dem 2. Spieltag fließt die gezeigte Turnierform als xG-Proxy ins Modell ein, und die Quote sprang sofort auf über 70 %. Das Sechzehntelfinale wurde mit 14 von 16 Treffern (87,5 %) zur Paradedisziplin, und im Viertelfinale gelang das perfekte Wochenende: alle vier Tendenzen richtig, Spanien-Belgien 2:1 und Norwegen-England 1:2 sogar im exakten Endstand.

Der Fehltipp des Turniers: Deutschland

Zur Ehrlichkeit gehört auch das: Unser teuerster Irrtum war ausgerechnet das deutsche Team. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay sah das Modell die DFB-Elf mit 2:0 vorne - mit 69 % Konfidenz einer der zuversichtlichsten Tipps der gesamten K.o.-Runde. Es kam bekanntlich anders: Deutschland verabschiedete sich in einem denkwürdigen Torfestival mit 4:5 aus dem Turnier. Kein Datenmodell der Welt hatte dieses Spiel auf dem Zettel, aber genau deshalb dokumentieren wir auch die Ausrutscher: Eine Konfidenz von 69 % heißt eben auch, dass der Tipp in drei von zehn Fällen danebenliegt.

Ähnlich schmerzhaft: Norwegens 2:1 gegen Brasilien im Achtelfinale - wir hatten exakt das umgekehrte Ergebnis getippt - und das Spiel um Platz 3, in dem Frankreich und England beim 4:6 jede Poisson-Verteilung sprengten. Zehn Tore in 90 Minuten regulärer Spielzeit, ganz ohne Verlängerung: Beide Teams spielten befreit auf, weil es um nichts mehr ging. Genau dieser Dead-Rubber-Effekt taucht in keiner Statistik auf - und ist damit für ein Datenmodell strukturell unsichtbar. Zehn Tore in einem Spiel dieser Kategorie prognostiziert kein seriöses Modell.

Was das Orakel richtig stark machte

Den Gegenpol bilden die leisen Volltreffer: Bei Mexikos makellosem Durchmarsch durch Gruppe A (drei Siege, 6:0 Tore) trafen wir die ersten beiden Partien mit 2:0 und 1:0 exakt. Im Sechzehntelfinale saßen unter anderem das 0:1 von Südafrika gegen Kanada, Brasiliens 2:1 gegen Japan und Kolumbiens 1:0 gegen Ghana auf den Punkt. Und im Halbfinale saß das England-Argentinien exakt: 1:2, wie getippt. Insgesamt stimmten 17 Endstände zu 100 % - bei einem Turnier mit Verlängerungen und Elfmeterschießen eine Quote, auf die wir durchaus stolz sind.

Das Finale: Spanien kippt den letzten Tipp

Bleibt das Endspiel - und ausgerechnet hier lag das Modell daneben. Unser Orakel sah Argentinien hauchdünn vorne und tippte ein 0:1, allerdings mit nur 37 % Konfidenz: dem niedrigsten Wert des gesamten Turniers. Aus Datensicht war dieses Finale ein Münzwurf zwischen zwei nahezu gleichstarken Teams - und der Münzwurf fiel auf die andere Seite. Spanien gewann 1:0 und krönte sich zum Weltmeister, die Tendenz drehte sich also exakt um.

Passend zum Turnierverlauf: Spanien war schon im Halbfinale gegen Frankreich (2:0) unser blinder Fleck - auch dort hatten wir auf die Franzosen gesetzt. Die Furia Roja hat damit gleich zweimal gegen unsere Tipps gewonnen und sich den Titel gegen die Datenlage erkämpft. Genau solche Turniere erinnern daran, dass ein Modell Wahrscheinlichkeiten liefert, keine Gewissheiten: 37 % Konfidenz für Argentinien heißt eben auch 63 % für alles andere.

Unterm Strich bleibt ein starkes Turnier für das Orakel: 70 von 104 Tendenzen, 17 exakte Endstände und eine Paradeleistung im Viertelfinale. Die volle Aufmerksamkeit gilt jetzt wieder der Bundesliga - wie unser Modell die abgelaufene Saison getippt hat, liest du im großen Saisonrückblick 2025/26, und die neuen Vorhersagen ab dem ersten Spieltag findest du wie immer im WM-Orakel und in unseren Bundesliga-Tipps.

TW
Tobias Wilke

Entwickler des Torakels. Baut seit 2022 an dem Vorhersagemodell hinter dieser Seite und wertet jede Saison gegen die echten Ergebnisse aus - auch wenn das Modell mal daneben liegt. Mehr dazu auf der Seite Über uns.