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Analysen·Saisonanalyse·8 Min. Lesezeit

Saisonrückblick 2025/26: So gut hat das Torakel wirklich getippt

34 Spieltage, eine Relegation, 308 ausgewertete Vorhersagen: Zeit für die schonungslose Abrechnung mit unserem eigenen Modell. Wo das Orakel glänzte, wo es krachend daneben lag - und was wir daraus für die neue Saison lernen.

Vorhersagen
308
inkl. Relegation
Richtige Tendenz
53,9 %
166 von 308 Spielen
Exakte Endstände
33
10,7 % - Bestwert bisher
Bester Spieltag
8/9
Spieltag 8, dazu 3× exakt

Alle Zahlen stammen aus unserer eigenen Auswertungs-Datenbank und lassen sich in der Statistik zur Saison 2025/26 Spieltag für Spieltag nachprüfen.

Die Saison, die es zu tippen galt

Die Spielzeit 2025/26 war aus Modell-Sicht ein zweigeteiltes Vergnügen. An der Spitze lieferte der FC Bayern eine historisch dominante Saison ab: 89 Punkte, nur eine einzige Niederlage und sagenhafte 122 Tore bei einer Tordifferenz von +86. Für ein statistisches Modell ist so ein Durchmarsch ein Geschenk - wer bei Bayern-Spielen auf Heimsieg oder Auswärtssieg der Münchner tippte, lag selten falsch.

Dahinter wurde es deutlich unübersichtlicher. Borussia Dortmund sicherte sich mit 73 Punkten die Vizemeisterschaft vor RB Leipzig (65) und dem VfB Stuttgart (62). Die TSG Hoffenheim kletterte mit 61 Punkten auf Rang fünf - deutlich weiter oben, als es ihr Kadermarktwert nahegelegt hätte. Und der Meister von 2024, Bayer Leverkusen, fand sich mit 59 Punkten nur auf Platz sechs wieder. Genau solche Verschiebungen sind es, die einem Modell wehtun, das Marktwert und historische Stärke einpreist.

Am Tabellenende erwischte es den 1. FC Heidenheim und den FC St. Pauli (je 26 Punkte) direkt. Der VfL Wolfsburg musste als Sechzehnter in die Relegation gegen Paderborn - und verlor sie. Bemerkenswert: Die beiden Aufsteiger Hamburger SV (Platz 13) und 1. FC Köln (Platz 14) hielten die Klasse, während sich der Abstiegskampf zwischen etablierten Bundesligisten abspielte.

Die Bilanz: 53,9 % richtige Tendenzen

Unterm Strich stehen 166 richtige Tendenzen aus 308 Vorhersagen - eine Quote von 53,9 %. Zur Einordnung: Reines Raten liefert bei drei möglichen Ausgängen (Heimsieg, Unentschieden, Auswärtssieg) rechnerisch rund 33 %. Professionelle Buchmacher, die mit deutlich mehr Daten und bezahlten Analysten arbeiten, bewegen sich je nach Saison zwischen 53 und 58 %. Unser Modell spielt damit in einer Liga, für die andere Geld bezahlen - und legt seine Fehler trotzdem offen auf den Tisch.

Noch erfreulicher ist die Entwicklung bei den exakten Endständen: 33-mal stimmte nicht nur die Tendenz, sondern das komplette Ergebnis - eine Quote von 10,7 % und damit der beste Wert seit Bestehen des Orakels. Exakte Ergebnisse sind die Königsdisziplin: Schon die häufigsten Bundesliga-Resultate wie 2:1 oder 1:1 decken zusammen nur einen Bruchteil aller Partien ab.

Vier Saisons im Vergleich

SaisonSpieleRichtige TendenzExakte Endstände
2022/2330643,5 %9,2 %
2023/2430649,7 %5,2 %
2024/2530853,2 %9,1 %
2025/2630853,9 %10,7 %

Der Trend zeigt klar nach oben: von 43,5 % in der Saison 2022/23 über 49,7 % und 53,2 % auf jetzt 53,9 %. Jede Modell-Iteration - die Umstellung auf ELO-Berechnung über fünf Vorsaisons, die Poisson-Verteilung für exakte Spielstände, die Gewichtung von Tabellenposition und Marktwert - hat messbar etwas gebracht.

Der beste Spieltag: acht von neun am 8. Spieltag

Mitte Oktober lief das Modell heiß: Am 8. Spieltag saßen acht von neun Tendenzen (88,9 %), drei Partien trafen wir sogar im exakten Endstand. Solche Wochenenden entstehen, wenn die Liga „nach Tabelle" spielt - die Favoriten gewinnen, die Kellerkinder verlieren, und ein datenbasiertes Modell wirkt plötzlich hellseherisch. Auch die Spieltage 11, 17, 19 und 20 lagen mit jeweils sieben Treffern (77,8 %) deutlich über dem Schnitt.

Der Absturz: ein einziger Treffer am 32. Spieltag

Das andere Extrem folgte im Saisonendspurt: Am 32. Spieltag stimmte genau eine von neun Tendenzen - 11,1 %, der schlechteste Wert der gesamten Saison. Kein Zufall, sondern ein Muster: Über die letzten drei regulären Spieltage (32 bis 34) trafen wir nur acht von 27 Tendenzen, also knapp 30 %. Wenn ausgepumpte Teams im gesicherten Mittelfeld gegen Mannschaften antreten, die um alles spielen, zählen Faktoren, die in keiner Statistik stehen: Motivation, Rotation, schon geplante Abschiedsspiele. Genau hier ist jedes Modell strukturell blind.

Deutlich sichtbar wird das auch im Halbzeitvergleich: In der Hinrunde trafen wir 58,8 % der Tendenzen (90 von 153), in der Rückrunde nur noch 49,0 % (75 von 153). Die Rückrunde ist die schwerere Disziplin - die Liga hat sich eingespielt, Überraschungsteams werden entschlüsselt, und am Ende mischen Sondereffekte die Ergebnisse auf.

Volltreffer zum Abschluss: die Relegation

Versöhnlicher endete die Saison in der Relegation. Nach dem 0:0 im Hinspiel - hier hatten wir Wolfsburg mit 2:1 vorne gesehen - tippten wir das Rückspiel in Paderborn mit 2:1 für die Gastgeber. Es endete exakt 2:1: Tendenz, Toranzahl, alles richtig. Paderborn steigt auf, Wolfsburg geht nach über einem Vierteljahrhundert Bundesliga in die 2. Liga. Für das Modell war es der 33. exakte Treffer der Saison.

Woran das Modell weiterhin scheitert

Ehrlichkeit gehört zum Konzept, also klar benannt: Die Achillesferse bleibt das Unentschieden. Unser Algorithmus tippt strukturell selten Remis, weil ein Unentschieden nur dann die wahrscheinlichste Einzeltendenz ist, wenn zwei Teams nahezu identisch stark eingeschätzt werden. Rund ein Viertel aller Bundesliga-Spiele endet aber remis - diese Partien kann das Modell in seiner aktuellen Form kaum systematisch treffen. Zweitens: Ausreißer-Saisons einzelner Teams. Hoffenheims Sprung auf Rang fünf und Leverkusens Rückfall auf Rang sechs hat das Modell erst mit einigen Spieltagen Verzögerung eingepreist, weil ELO und Marktwert träge Faktoren sind. Wie die ELO-Berechnung genau funktioniert, erklären wir übrigens ausführlich in unserem ELO-Erklärstück.

Was sich für 2026/27 ändert

Drei Baustellen stehen für die neue Saison auf der Liste. Erstens prüfen wir eine stärkere Gewichtung der aktuellen Form gegenüber den trägen Langzeit-Faktoren, damit Überraschungsteams schneller erkannt werden. Zweitens experimentieren wir mit einer expliziten Remis-Logik, die enge Paarungen nicht mehr zwanghaft in Heim- oder Auswärtssieg auflöst. Und drittens fließen die Marktwerte der Sommertransfers wie jedes Jahr frisch ins Modell ein - inklusive der beiden Aufsteiger. Wie das alles funktioniert, erklären wir Schritt für Schritt auf der Seite „So funktioniert's".

Ob die Änderungen die 55-Prozent-Marke knacken, zeigt sich ab dem ersten Spieltag - wie immer transparent und Spiel für Spiel dokumentiert in unseren Vorhersagen.

TW
Tobias Wilke

Entwickler des Torakels. Baut seit 2022 an dem Vorhersagemodell hinter dieser Seite und wertet jede Saison gegen die echten Ergebnisse aus - auch wenn das Modell mal daneben liegt. Mehr dazu auf der Seite Über uns.